Gurtnellen_Story Winter_Ursula Herger

Fit wie ein Turnschuh

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40 Paar Turnschuhe besitzt Ursula Herger. Die 63-jährige Zürcherin läuft für ihr Leben gern. Ultra Trails, Marathon oder auch ab und zu von Gurtnellen zum Einkaufen nach Altdorf.

156 Zentimeter Körpergrösse pure Energie und Lebensfreude. Zwei Haarschwänzchen sind ihr Markenzeichen. Die Berge begleiten Ursula Herger schon ihr ganzes Leben lang. Aufgewachsen ist sie am Fuss des Uetlibergs in Zürich. Doch bereits in den 80er-Jahren hat es Ursula in die Urner Bergwelt gezogen. «Warum weiss ich auch nicht. Vielleicht war ich schon in einem früheren Leben dort». Beruflich war es immer ihr Traum, bei der Bahn zu arbeiten. «Zwei Mal ging ich persönlich bei der Kreisdirektion in Zürich vorbei und habe nach einem Job gefragt». Doch die SBB stellte bis 1983 keine Frauen als Kondukteurinnen an. Es sollte noch bis ins Jahr 2000 dauern bis Ursulas Wunsch in Erfüllung ging. Dazwischen bekam sie mit ihrem Ex-Mann vier Kinder.

Ursula liebt den Wettkampf. Ranglisten interessieren sie nicht.

«Immer in Bewegung lautet mein Motto. Es kann vorkommen, dass ich zum Einkaufen 20 km von meinem Wohnort Gurtnellen ins Urnertor laufe. Das Laufen ist ein Teil von mir. Und das obwohl ich als Kind starkes Asthma hatte. Nach der Geburt meiner Kinder lief ich täglich frühmorgens eine Runde. Ein neues Laufabenteuer begann 1992 mit der Teilnahme des 100 km Laufes in Biel. Alle haben gesagt, dass ich spinne und mich übernehme. Nach 10 Stunden und 25 Minuten war ich im Ziel». Ursula war zwei Mal im Mount Everest Base Camp und hat eine persönliche Marathon Bestzeit von 2 Stunden 55 Minuten. «Für mich zählt allein das Lauferlebnis. Gezielt trainieren wollte ich nie». Die nächsten Herausforderungen liessen nicht lange auf sich warten. «Ich nahm zwei Mal am 245 km langen Spartathlon in Griechenland teil, schaffte es aber nie ins Ziel. Deswegen war ich aber nicht frustriert. Man muss seine Grenzen akzeptieren können. Da steht mir kein Stolz im Weg. Mein längster Lauf war der Ultra Trail du Mont Blanc, 170 km und 10'000 Höhenmeter. Ich habe ihn 2015 in 43 Stunden geschafft.

 

Ein Traum wird wahr

Ursulas Berufstraum hat sich dann doch noch erfüllt. 2000 absolvierte sie eine Ausbildung als Zugbegleiterin bei der SBB in Zürich. Drei Jahre später lernte sie in den Urner Bergen ihren zweiten Mann kennen, welcher eine Hütte im Schindlachtal auf rund 2'000 m ü. M. besitzt. Nach einer schweren Krankheit 2008 hat sie sich entschieden, zu ihrem Mann Anton in den Kanton Uri zu ziehen.

«Im Sommer 2009 hatte ich keinen Job und wurde Zugchefin bei der Furka Dampfbahn. Obwohl es Freiwilligenarbeit war, liebte ich diese Aufgabe. Schlussendlich hat mich die Matterhorn Gotthard Bahn trotz meines fortgeschrittenen Alters 2010 doch noch als Zugbegleiterin angestellt. Ich habe immer gesagt, wenn ich pensioniert bin, werde ich Profisportlerin. Und das bin ich jetzt».

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