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geschichten aus dem herzen der schweiz

2. August 2019

Dü da do, Postauto!

Die Rundfahrten in den Zentralalpen garantieren spektakuläre Landschaften. Ich nehme euch mit auf eine Fahrt ab Andermatt über die drei Alpenpässe Furka-Grimsel-Susten.

8.30 Uhr

Wanderer mit Rucksäcken, Mountainbiker mit ihren Velos und Ausflügler wie ich, tummeln sich an der Postautohaltestelle beim Bahnhof in Andermatt. Unser heutiger Chauffeur Bruno verstaut auch noch die Brotsäcke, welche dem Hotel Tiefenbach an der Furkapassstrasse geliefert werden. Und los geht die Fahrt…

Saftig grüne Wiesen und Felsformationen ziehen an meinem Fenster vorbei. Nach Realp steigen wir Kurve um Kurve. Dü da do – das Dreiklanghorn weckt Heimatgefühle in mir und macht Wohnwagen, Motorrad- und Rennvelofahrer, welche sich mit uns die Strasse teilen, auf uns aufmerksam. Leider halte ich erfolglos Ausschau nach der Furka-Dampfbahn, erblicke dafür aber bald die 4000 m hohen Gipfel der Walliser und Berner Alpen. Was für ein Panorama!

9.40 Uhr

Ankunft in Gletsch. Eine gute Stunde Zeit, diese historische Siedlung zu entdecken. Der freundliche Mitarbeiter im InfoPoint Gletsch informiert uns über die Sehenswürdigkeiten und öffnet für uns das «Blaue Haus» mit der Ausstellung «Landschaft am Rhonegletscher» und dem historischen Kleinwasserkraftwerk. Als Alternative wäre natürlich auch ein Kaffee auf der Panoramaterrasse des Hotels Glacier du Rhône nicht schlecht gewesen.

10.46 Uhr

Weiter geht die Fahrt durch die wilde Gebirgslandschaft und blühenden Alpenrosen entlang der Strasse auf die Grimselpasshöhe. Stauseen und Kraftwerksanlagen prägen hier oben das Bild. Ich stehe in einem der reichsten Mineraliengebiete der Alpen. Wer Zeit mitbringt, kann diese in der Kristallgrotte oder im Murmeltierpark verbringen. Für mich reicht es immerhin bis zur Weiterfahrt zu einer Tasse Kaffee auf einer Sonnenterrasse direkt am See.

 

11.31 Uhr

Die Grimselwelt im Berner Oberland. Wasserkraft, alpine Routen, schwankende Hängebrücken und steile Bergbahnen. Die Region bietet alles, was das abenteuerlustige Herz begehrt. Auf diesem Streckenabschnitt herrscht emsiges Treiben. Ich stelle fest, dass das Postauto sowohl für Einheimische als auch Feriengäste in diesem Tal als wichtiges Transportmittel dient, um von A nach B zu kommen. Bergbäche, Schluchten und Wiesenblumen begleiten uns in Richtung Haslital.

12.25 Uhr

Mein Magen knurrt langsam. Zum Glück legt das Postauto in Meiringen eine Mittagspause ein. Das Dorf bietet eine grosse Auswahl und Vielfalt an Verpflegungsmöglichkeiten. Schnell werde ich fündig und stille meinen Hunger. Als Dessert hätte ich gerne die lokale Spezialität «Meringues» genossen. Ihr merkt es schon an meinem Konjunktiv: Über den Mittag liessen sich diese leider nicht auftreiben. Dafür habe ich einen kurzen Spaziergang genutzt, um Sherlock Holmes im Ort aufzuspüren.

 

13.25 Uhr

Abfahrt in Meiringen. Zahlreiche Asiaten sind nun mit an Bord, welche ihre Smartphones fast pausenlos zücken, um die Schweizer Alpenlandschaft festzuhalten. Auf dem Weg zum Sustenpass präsentiert sich diese wie aus dem Bilderbuch: Schöne alte Häuser, üppige Wälder, der Steingletscher, Wasserfälle…ich könnte noch viel mehr aufzählen. Das Postauto überquert nicht weniger als 25 Brücken und fährt durch 25 Tunnel. Durch das malerische Meiental gelangen wir nach Wassen. Kurz vor Göschenen überholen wir sogar noch die Gotthard Postkutsche. Die Smartphones schnellen erneut in die Höhe.

15.30 Uhr

Das letzte Teilstück führt uns durch die sagenumwobene Schöllenenschlucht zurück zum Ausgangspunkt in Andermatt. 94.1 km erlebnisreiche Fahrt gehen zu Ende. Nachfahren lohnt sich!

 

5. Juni 2019

ERLEBE DEN MYTHOS GOTTHARD

Das Gotthardmassiv ist umgeben von Sagen und Mythen. Vor ein paar Tagen zog mich die wohl heute noch wichtigste Nord-Süd-Verbindung in Europa wieder einmal in ihren Bann. Ich beschloss dem imposanten Sasso San Gottardo einen Besuch abzustatten.

Meterhoch liegt noch Schnee entlang der Gotthardpassstrasse. Und die vorausgesagten Schneefälle der letzten Woche liessen mich im Ungewissen, ob der Gotthardpass an Auffahrt für den Verkehr freigegeben wird oder nicht. Doch nicht nur ich war nervös. Das Herz von Künstler Tullio Zanovello schlug die letzten Tage bemerkbar schneller, wie er mir bei unserem Gespräch verraten hatte. Ob sein Kunstwerk, die 4.5 Meter grosse und 7 Meter breite Bildmaschine «Gotthard-Das Reduit», im Sasso San Gottardo den Winter wohl ohne Schäden überstanden hat? Bringt er seine Bildmaschine nach der langen Winterpause, umgeben von der Feuchtigkeit des Gotthardmassivs, wieder zum Laufen? Die Hauptsteuerung hat er bei sich zuhause in Zürich überwintert. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Bildmaschine ist wieder in Betrieb. Doch dazu etwas später…

 

Die meterhohen Schneemauern auf dem Gotthardpass imponierten mir. © hilfsbereiter Tourist

METERHOHE SCHNEEMAUERN

Am Freitagvormittag, 31. Mai 2019, auf dem Gotthardpass. Blauer Himmel, etwas knapp über Null Grad Celsius und der Wind bläst markant um meine Ohren. Töffli-Helden, Rennvelofahrer, Motorradlenker und Automobilisten aus ganz Europa zücken ihre Smartphones. Die meterhohen Schneemauern sind wohl das beliebteste Fotosujet an diesem Tag. Ich lasse mir diese Gelegenheit natürlich ebenfalls nicht entgehen. Der Wegweiser zum Sasso ragt knapp aus dem Schnee heraus. Die faszinierenden Details zur Entstehung der Bildmaschine, welche mir Tullio Zanovello verriet, machten mich extrem neugierig. Ich wollte sein Meisterwerk unbedingt live erleben. Und ich wurde nicht enttäuscht.

 

Der Wegweiser zum Sasso San Gottardo ragt nur knapp aus dem Schnee. © Fränzi Stalder

 

Schon im Eingangsstollen zum Sasso San Gottardo macht ein Kunstwerk von Tullio Zanovello neugierig auf die Bildmaschine. © Fränzi Stalder

EIN MEISTERWERK MITTEN IM FELS

11.15 Uhr. Ich bin ganz alleine. Umgeben von Felsen, in einem 300 m langen Stollen. Die Luft ist kühl und riecht etwas muffig. Ich setze mich in die vorderste Reihe und bin gespannt, was kommt. Licht und Ton gehen an. Sofort zieht mich die Bildmaschine in ihren Bann. Sie hat augenblicklich meine volle Aufmerksamkeit, als sich Tür um Tür öffnen, welche an religiöse Flügelaltere aus dem Mittelalter erinnern. Die bemalten Platten falten sich mithilfe von 12 Motoren auseinander und schliessen sich in neuer Reihenfolge wieder. Die Bildmaschine thematisiert die Geschichte des Gotthards, sowie die Sage der Teufelsbrücke. Berühmtheiten aus der Schweizer Geschichte sind zu erkennen. Im Kern erscheint schliesslich die Helvetia, die sich in das grausame Sennentuntschi verwandelt. Die Motive der Maschine zeigen die Spannungen zwischen Gut und Böse, Abgrenzung und Offenheit und auch Elemente aus der Biografie des Künstlers.

24 Minuten später ist das Spektakel vorbei. Kaum zu glauben, wie so etwas erschaffen werden kann. Drei Jahre lang hat Tullio Zanovello am 1,5 Tonnen schweren Kunstwerk gearbeitet. Unter anderem im Skianzug, weil die Werkstatt in Schlieren nicht geheizt war. 2500 Stunden künstlerisches Schaffen. Sogar die Musik hat er selber komponiert. Unglaublich faszinierend und erlebenswert.

 

Künstler Tullio Zanovello vor seinem Monumentalwerk der Bildmaschine Gotthard – Das Reduit. © Gerhard Born für «Schweizer Illustrierte»
 

BILDMASCHINE GOTTHARD – DAS REDUIT

Im Herzen der Schweiz steht ein einzigartiges monumentales Kunstwerk, das vom Gotthard, seinen Legenden und Mythen erzählt. Das Thema: Was ist man bereit zu zahlen, um seine Ziele zu erreichen?
 

Tipp:
Der Filmemacher Peter Volkart hat Tullio Zanovello drei Jahre begleitet und einen Making-of-Film über die Entstehung der Bildmaschine Gotthard – Das Reduit gedreht: Film ansehen

Die Komposition für Chor, Blechbläserensemble und Perkussion stammt aus der Feder von Tullio Zanovello. © Gerhard Born für «Schweizer Illustrierte»
 

Die grösste je im Alpenraum gefundene Kristallgruppe ist im Sasso San Gottardo zu bestaunen. © Fränzi Stalder
 

tipps

über die autorin

Fränzi liebt es auf Achse zu sein. Egal, ob in der grossen weiten Welt oder dem schönen Kanton Uri. Im Vordergrund stehen dabei immer die Neugier Neues zu entdecken, die Begegnungen mit Menschen und der Genuss. Ihre Passion fürs Schreiben lebt sie auch als PR- und Kommunikationsmanagerin bei Andermatt-Urserntal Tourismus aus.